Köpfe Wladimir Kaminer über die deutsch-russische Freundschaft

Unser russisch-deutscher Gastautor Wladimir Kaminer hat sich mit seinen Wurzeln auseinandergesetzt.

Auf der politischen Ebene streiten Russland und Deutschland – das politische Personal beider Länder kommt nicht miteinander klar. Was aber die Menschen betrifft, so bleiben die Deutschen Russlands beste Freunde. Für viele Ostdeutsche sind die Jugenderinnerungen mit Russland verbunden, sie hatten an den Baustellen des Sozialismus in der Sowjetunion mitgearbeitet. Mein Land war nämlich weltweit führend bei „grandiosen Bauprojekten, die ins Nichts führen“.

Eine Eisenbahntrasse vom Schnee in den Schnee

Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Baikal-Amur-Magistrale, BAM, eine Eisenbahntrasse, die so lange gebaut wurde, bis die Schienen alle waren und das Land auseinanderfiel. Sie fängt im Schnee an und hört im Schnee auf. Solche Strecken hatten nie etwas Vernünftiges – sie wurden nicht erschaffen, um Menschen oder Güter zu transportieren, sondern um der ganzen Welt und dem schwarzen Universum da oben zu zeigen, wozu wir Menschen fähig sind, wenn wir zusammenhalten, nicht an unsere kleinen Gewinne denken und bei tiefen Minusgraden starken Alkohol an der frischen Luft trinken. Heute fahren fast nur deutsche Touristen auf dieser Strecke hin und her, zwei Wochen geht der Zug in eine Richtung.

Von Magadan nach Jakutsk

Die Russen sind Fatalisten, sie denken, „irgendwie wird es schon klappen und wenn nicht, dann haben wir Pech gehabt“. Sie wollen es nicht genauer wissen. Die Deutschen schon. Ein Freund von mir fährt deutsche Touristengruppen durch die Tundra und Taiga, das ist kein leichter Job.

Neulich sollte er eine Touristengruppe aus Sachsen mit dem Bus von Magadan nach Jakutsk fahren. Die Sachsen fragten ihn zuerst, wieso er sich nicht anschnallt, dann wollten sie wissen, wo sein Navigationsgerät ist. Das brauchen wir nicht, sagte mein Freund, der Fahrer. Es gibt nicht so viele Wege, die von Magadan nach Jakutsk führen.

Die Sachsen weigerten sich, ohne Navigation mit dem Bus zu fahren. Sie hatten Angst, in der Schneewüste verloren zu gehen. Mein Freund konnte sie nicht überreden. Also telefonierte er mit dem für die Gruppe zuständigen Reisebüro. Die Dienstleister besorgten ihm auf die Schnelle ein Navi, sogar eins, das Deutsch sprach, damit die Touristen sich beruhigen. Sie stiegen in den Bus, der Fahrer machte das Gerät an und eine ruhige Frauenstimme sagte: „Nach 2000 Kilometer biegen Sie bitte rechts ab, dann haben Sie ihr Ziel erreicht…“

Die Russen sind Fatalisten, sie denken, 'irgendwie wird es schon klappen und wenn nicht, dann haben wir Pech gehabt'.

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